Emmer ist das Urkorn, also die älteste kultivierte Getreideart und Urform des heute bekannten Weizens. Sein Ursprung liegt im Vorderen Orient wo er bereits in der Jungsteinzeit vor über 9.000 Jahren angebaut wurde. Durch die Ausbreitung des landwirtschaftlichen Ackerbaus verbreitete er sich dann über den Nahen Osten und Afrika bis nach Zentraleuropa. Zur Zeit des Römischen Reiches erlebte Emmer übrigens seine Hochzeit. Die Römer kannten zwar noch kein Brot in unserer heutigen Form, aber Emmer wurde bereits als Brei gegessen und galt sogar als das ‘Weizen von Rom‘.

Die Ähren des Emmers haben besonders lange Halme, sogenannte ’Grannen‘ und tragen jeweils zwei Körner (daher auch ‘Zweikorn’ genannt), die von ihrer natürlichen Schale, der ‘Spelze‘ fest umschlossen sind. Das macht bei der Verarbeitung zwar mehr Arbeit, hat aber den entscheidenden Vorteil, dass sie vor äußeren Umwelteinflüssen geschützt sind. Dadurch ist Emmer auch deutlich unempfindlicher gegenüber Schädlingen und Krankheiten und muss folglich auch weniger gedüngt werden als seine botanischen Verwandten. Allerdings benötigt man für den Emmeranbau eine etwa drei bis viermal so große Anbaufläche, um den gleichen Ertrag wie Weizen zu erzielen. Und das macht sich natürlich auch im Preis bemerkbar. Gerade weil die Ernte und Verarbeitung oft schwierig und aufwendig sind und der Ertrag deutlich geringer ist als bei industriell gezüchteten Weizen, wurde er in Europa durch andere ertragreichere Sorten verdrängt.

Und das leider zu Unrecht, denn Emmer ist deutlich nahrhafter. Er verfügt über einen herausragenden Gehalt an Zink, Eiweiß, Vitamin E und weiteren Mineralstoffen, wie den für das Nervensystem und die Sehkraft wichtigen Carotinoiden. Damit ist das Urkorn vor allem für Vegetarier und Veganer besonders interessant. Emmer hat darüber hinaus einen deutlich geringeren Glutenanteil. Wer mal ein Emmerfeld gesehen hat, dem ist sicherlich aufgefallen, dass Emmer ganz natürlich und ursprünglich wächst und dabei bis zu 1,50 m hoch wird. Bei klassischen, industriellen Weizenfelder hingegen wird der Wachstum zugunsten des Ertrages begrenzt. Als Resultat wächst dieser nur noch etwa Knie hoch. Hinter der deutlichen Zunahme von Getreide-Allergien und Krankheiten wie Gluten-Intoleranz vermutet man u.a. eine Folge solcher, industrieller Züchtungen.

Gerade in den letzten Jahren findet Emmer seine Renaissance insbesondere in der ökologischen Landwirtschaft, in Bioläden, Reformhäusern sowie bei biologischen Bäckern und gesundheitsbewussten Gourmets, die seinen feinen Geschmack und die ernährungsphysiologischen Vorteile schätzen. So gilt das naturbelassene Emmerkorn inzwischen als hochwertiges und gesundes Produkt und wird heute auch wieder häufiger in Deutschland angebaut.

Die bekanntesten auftretenden Variationen sind der schwarze, der weiße und der rote Emmer. Die Körner sind meist etwas härter und dunkler als Weizen und eignen sich aufgrund ihres würzigen Aromas besonders für herzhafte Backwaren, Brote, Kuchen, Waffeln und Pizza aber auch in Teigwaren und Nudeln jeder Art. Insbesondere Liebhaber von würzigen Bieren sollten sich die Emmer Angebote genauer anschauen. Korn Liebhaber sowieso, aber das wisst ihr ja 😉